Klangvermesser





„Manière de commencement“ ist eine von achtzehn Miniaturen auf der 2016 erschienenen Platte „Satie“ von Tamar Halperin. Das Video oben ist Fake News meinerseits, speziell für René Clairs Film komponierte Erik Satie freilich eine ganz andere Musik. Frau Halperins Version dieses Stücks auf ihrer CD gefiel mir aufgrund explizit filmmusikalischer Qualitäten aber so gut, dass ich mir eine kleine Mashupbastelei erlaubt habe. :)

OK, Erik Satie war schon eine Art Filmkomponist, bevor es den Film überhaupt gab; und als es ihn dann gab, war Satie der erste, der die Interdependenz von Film und Musik vollständig durchdrang. Mit Blick auf die eigene Arbeit bezeichnete er sich in einer Selbstauskunft von damals nicht etwa als Musiker, sondern als Klangvermesser. Klangvermesser. Heute würden wir treudeutsch Soundtüftler sagen. Satie hatte in seiner Behausung zwei Flügel stehen, das heißt, eigentlich nur einen, der zweite war auf den ersten aufmontiert. Erik Satie, Keyboards. Was Tamar Halperin auf ihrer Satie-CD zeigt bzw. freilegt, ist genau dieser multiple Keyboard-Sound-Approach in einer Zeit, als der Strom dafür noch nicht einfach aus der Steckdose kam. Und dies dann extrapoliert auf die Klangerzeugungsmöglichkeiten von heute. Denn Halperin setzt durchaus rechner- bzw. sequenzergestütztes Equipment für ihre Satie-Musik ein. Diskret. Fast peinlich genau ausgefinkelt und diskret. Subtil. Das Zeug wird mit jedem Wiederhören immer besser, der erste Eindruck von Kargheit verflüchtigt sich bald, jeder einzelne Ton gewinnt hörbar umso mehr an Bedeutung, als er sich als streng funktional erweist. Nebenbei: Die CD ist sehr geeignet als Geschenk. Als Geschenk wohlgemerkt, nicht zum Verschenken. :)

Tamar Halperin: Satie. Label: Neue Meister. 2016.

Front Booklet Cover:

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