Refusnin'



Das ist eines der eher unbekannt gebliebenen Gedichte des heute – so dachte ich – eh schon ziemlich in Vergessenheit geratenen Kenneth Rexroth. Rexroth war Beatnik als es noch gar keine Beatniks gab, seine Urszenen als junger Mann und Poet erlebte er im Jazzage F. Scott und Zelda Fitzgeralds, Langston Hughes‘ und der Großen Depression, den Victory Day beging er als schon Vierzigjähriger, als Kerouac oder Ginsberg aufzeigten, war Rexroth also schon ein Veteran der Versskizziererei auf Bierfilzen, Papierservietten, in Kellern, auf Tresen, in Autobussen.


Erstaunlich, dass es Skandinavier sind, die Kens Faden wiederaufnehmen, und von den dreien die Rezitatorin/Sängerin gebürtige Paschtunin ist. Rexroth wusste vor sechzig Jahren mit Sicherheit nichts von den Dingen in Afghanistan, so wie Simin heute vermutlich nichts weiß von den Dingen im damaligen Amerika; aber Poesie kennt keine Zeit-Raum-Grenzen, nichts ist je vergebens, die losen Fäden werden von den guten Leuten immer wieder neu zusammengesucht und vergeknüpft. Es ist ja gleichgültig, ob jemand in New York 1956 oder in Kabul 2016 ein Gedicht oder einen Song schreibt, der Impuls, das zu tun, ist immer der gleiche. Alles Verwandte, über Erdball und Zeiten verteilt, die sich immer wieder aufeinander beziehen, auf Schultern klettern, durch breite Beine schlüpfen. Das ist die Freiheit.

Try: Tord Gustavsen. What Was Said. Tord Gustavsen (p, keyb), Simin Tander (voice), Jarle Vespestad (perc). ECM Records 2016.