Traum, galaktisch / Raumkapazität




Was die sogenannte Avantgarde betrifft, so erscheint jeder als neu empfundene Ausdruck zunächst wie ein Bruch und oft wie eine Verneinung dessen, was schon gesagt und getan worden ist oder der Art und Weise, wie das, was gesagt wurde vorher gesagt worden ist. Aber originalität hat eher etwas mit Wiedererkennung zu tun als mit Invention. Wie die meisten revolutionären Bewegungen ist die Avantgarde bis heute immer eine Rückkehr und eine Rekonstruktion. Der bewirkte Wechsel ist nur scheinbar, eine Illusion, denn durch das Neue und hinter dem Neuen geschieht das Wunder der Wiederaufwertung, die Erneuerung dessen, was von allem Anbeginn fortdauert. Die Grundmuster sind immer schon da. Kunst ist zugleich archaisch und modern, sehr alt und zugleich zeitgenössisch. Es ist deshalb die Kunst, die das Bewusstsein unserer Kontinuität, unserer Identität sichert.


Ich besteige die Tretmühle Walter Benjamins und höre mich jetzt sagen, dass in avantgardistischen Gestaltungsmitteln zwar sehr nachdrücklich das Streben hervortritt, sich gegen das Veraltete (also gegen das Jüngstvergangene) radikal abzusetzen, dass diese Mittel aber kollektiven Wunschbildern entsprechen, in denen Neues und Altes sich durchaus gegenseitig durchdringen; in denen das Kollektiv – so Benjamin neben mir - die Unfertigkeit des gesellschaftlichen Produkts sowie die Mängel der gesellschaftlichen Produktionsordnung sowohl aufzuheben wie zu verklären sucht. Diese Doppelbewegung weist die vom Neuen angestoßene Bildphantasie an das Urvergangene zurück, all das ist surreal. In jenem kollektiven Traum der Epoche von der ihr folgenden, erscheint die letztere utopisch vermählt mit Elementen der Urgeschichte, das heißt mit den tief im Unbewussten des Kollektivs eingelagerten Erfahrungen einer klassenlosen Gesellschaft. :)


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Robert Lax


→ Gunter Hampel Group + Jeanne Lee. Willem Breuker, Arjen Gorter, Pierre Coubois. Soest/Holland, April 1968. Wergo.