Rue des Vosges 12/1966



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Cecil Taylor à Paris von Luc Ferrari und Gérard Patris w/ Cecil Taylor, Jimmy Lyons, Alan Silva, Andrew Cyrille. Frankreich 1967.


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Cecil Taylor stibitzte mir mal Pommes vom Teller. Total Music Meeting 1997 im Berliner Podewil. Ich war verliebt und deshalb zu früh dran. Setzte mich also in die Caféteria des Podewil und bestellte Currywurscht mit Pommes und eine Halbe preußisches Bier, um mir bis zum Konzert die Zeit zu vertreiben. Ich mampfte so vor mich hin, da sah ich im Augenwinkel zwei Tüpen, die sich köstlich einen abgrinsten. Nebentisch, rechts. Potz Strahl, das sind doch Cecil Taylor und Evan Parker! Taylor ein Wasser vor sich, Parker ein Viertel Veltliner. Ich glotzte, dann grinste ich zurück, hob automatisch die rechte Hand zum Gruße, und wir drei verfolgten die Flugbahn der Messerspitze Ketchup, die das Portrait von Steve Lacy an der Wand nur knapp verfehlte. Evan lachte kurz auf, Cecil verzog keine Miene. Er fragte, ob ich Musiker wär. Ich sagte, nee, Kontrabass und Gitarre kann ich aber für den Hausgebrauch. Kontrabass war das Stichwort für Cecil; es folgte über die Bistrottische hinweg ein zehnminütiger Monolog über das Zusammenspiel von Piano und Kontrabass, von dem ich höchstens die Hälfte verstand. Während er monologisierte, sprang Cecil immer wieder kurz auf, um sich von meinen Pommes zu bedienen. Ich dachte nur immerzu, Wahnsinn, hier spricht in vollstem Ernst ein Kerl zu dir, der die totale Musik schon intus hatte, bevor du überhaupt geboren warst.