Radio Feuerwerk

PERSONEN:
Dieter Kurzhorst-Faust, universaler Systemkünstler
Casmilla, Schülerin
Arne, Casmillas kleiner Bruder
Rolf, Radiomoderator
Bommi, Radiosoundman
Marlon Brando
Der große Ptäut
Miss Zara Zores, Survivor

ORT:
Das mobile Studio von Radio Feuerwerk.

[Anmerkung: Einige Links konnten nicht wiederhergestellt werden. Auch gut möglich, dass ein paar Beiträge von damals hier fehlen, weil diese Rekonstruktion einem Worddoc entstammt, das ich erst nachträglich aus den Originalposts auf Spiegel-Online erstellt habe, und ich nicht recht weiss, ob das komplett ist. Mnemosyne sagt aber: die besten Sketches dürften in dieser Rekonstruktion hier enthalten sein. ray05]


Erster Akt: Casmilla und Dieter
Spiegel online, 13.01.2011 / Autor: Aljoscha der Idiot


ROLF. Das war Wild Horses von den Rolling Stones, den Song hat sich die Pamela gewünscht, Pamela von der Heizung. 40 Jahre Sticky Fingers und wir hier bei Radio Feuerwerk feiern mit Euch da draußen die Platte mit dem Reißverschluß. Tja, Dieter, das waren noch Zeiten, als der Andy Warhol noch mit den Jungs zusammenarbeitete, oder?
DIETER. Ja, der hat ja unheimlich viel gemacht. Der Andy.
ROLF. Ja. So, da haben wir schon den nächsten Caller in der Leitung, höre ich, das ist die Camilla, hallo Camilla?
CASMILLA. Casmilla.
ROLF. Ja grüß dich, Casmilla. Von wo rufst du an?
CASMILLA. Ich stehe vor einem Sandkrater und warte darauf, daß das Meer kommt, mit Pottwalen und Plankton und Quallen und sogar mit Schiffswracks.
ROLF. Das ist ja super, Casmilla, wie alt bist du denn?
CASMILLA. 11.
ROLF. Na sag mal - na sowas.
CASMILLA. Na sowas.
ROLF. Casmilla, wünscht du dir denn auch einen Titel von der Platte, die wir heute hier, ähm -
CASMILLA. Ja, ich möchte den mit dem bläulich-weißen Schimmer.
ROLF. Ahhmm… also ich bin nicht sicher, ob -
CASMILLA. Mißtrauen hat ein rotes Licht, weißt du?
ROLF. Casmilla, ich fürchte -
CASMILLA. Befürchtung ist orange.
ROLF. Ach.
CASMILLA. Sehnsucht ist wie Johannisbeersorbet.
ROLF. Du meinst Cassis?
CASMILLA. Mhm.
ROLF. Welche Farbe haben Lieder von Francoise Hardy?
CASMILLA. Die meisten sehen aus wie dunkle rote Rosen. Aber manche auch wie Schwertlilien.
ROLF. Welche Farbe hat es, wenn das Schicksal sich ins Fäustchen lacht?
CASMILLA. Gelb wie ein Rapsfeld.
ROLF. Und Schimpfworte, welche Farbe haben die?
CASMILLA. Schimpfworte haben keine Farbe.
ROLF. Warum nicht?
CASMILLA. Wenn man Schimpfworte braucht, kann man ja doch nicht richtig sehen.
ROLF. Also schön. Gut. Danke, Casmilla. Hier der letzte Song von Sticky Fingers, ich hoffe, es ist der mit dem verdammten bläulich-weißen Schimmer!
http://www.youtube.com/watch?v=0Gy3PH4Sf6g&feature=fvwrel
DIETER. Mondstein. Sie meint Mondstein.
ROLF. SCHNAUZE!


Zweiter Akt: Die Weltformel
Spiegel online, 13.01.2011 / Autor: ray05


ROLF. Dieter, du sprachst schon gestern viele Dinge an, die unsere Hörer bewegten …
DIETER. Ja, gibt viele Dinge, und alle machen was mit uns.
ROLF. Du nimmst jetzt explizit Bezug auf „Pi“, den Film.
DIETER. Ja, und ob. Ich und Darren, dann noch Kenny, der sich kurz zuvor von seiner Frau getrennt hatte … Ich mein, wir wollten damals einfach die Filmsprache komplett umkrempeln. Das wussten wir einfach, dass wir das …
ROLF. Du nimmst jetzt explizit Bezug auf „Pi“, den Film. Da findet ja ein Mathematiker die Weltformel.
DIETER. Ja, und ob. In Brooklyn damals war so eine kreative Stimmung, die man mit den Händen greifen …
ROLF. … und dann kamt ihr auf die Idee mit dem Schwarzweiß.
DIETER. Ja, die Idee kam mir, als wir drei im PizzaBag saßen, gleich um die Ecke wohnten Paul Auster, Harvey Keitel und Sidney Lumet, und das war ja ´ne ganz große Kligge damals, in der jeder jeden beinfluss …
ROLF. … Augenblick, Dieter, grad kommt´n Anruf rein von der … Casmilla! Hejdu Casmilla, was hast du denn heute auf dem Herzen?
CASMILLA. Wollt´ sagen, dass es gar nicht schwarzweiß ist, wenn man die Weltformel findet. Das stimmt nicht, da im Film.
ROLF. Wie denn dann? Sachdochmah.
CASMILLA. Man geht in der Lieblingsjeans zum Strand runter und dann findet man so eine Flasche, in der steckt die Formel drin und alles. Und alles war bunt und nicht schwarzweiß.
ROLF. Flaschenpost?
CASMILLA. Mhm.
DIETER. Rolf, hörmal …
ROLF. Pscht! Und was hast du dann mit der Formel gemacht, Casmilla?
CASMILLA. Meinem Bruder gegeben.
ROLF. Toll. Und wie alt ist dein Bruder?
CASMILLA. Fünf. Er heißt Arne. Du, Rolf …
ROLF. Was denn?
CASMILLA. Dieter soll sich auch mal ein Lied wünschen dürfen.
ROLF. OK, Dieter wünscht sich jetzt ein Lied. Danke für deinen Anruf, Casmilla. Wir mögen dich alle sehr. Na, Dieter, jetzt wünsch dir …. Dieter? Haut der Knilch einfach so ab, naja …


Dritter Akt: Man kann das Wasser nicht vom Land aus verstehen
Spiegel online, 15.01.2011 / Autor: Aljoscha der Idiot


ROLF. Mit mir im Studio Dieter Kurzhorst-Faust, der deutsche Kultregisseur. Ja, Dieter, man kann eigentlich sagen, daß du auf allen Gebieten der Kunst zuhause bist, du hast ja alles irgendwann mal gemacht. Auch Geo-Installationen, kann ich mich erinnern.
DIETER. Ja, das war damals, als wir mit der Patti unterwegs waren, der Tschäcki und ich. Die war so crazy, die Patti. Ging so eine Stunde im Kreis rum und spielte dabei Klarinette, weißte. Und dann sagte sie plötzlich: ich sah gerade ein großes, ausgetrocknetes Flußbett, das von einer merkwürdigen weißen Substanz bedeckt war, und es standen vier Sonnen darüber. Und dann meinte sie, dieses Flußbett stehe in Verbindung mit einem anderen Fluß, weit entfernt in Moskva, der gerade über seine Ufer getreten ist. Ja, und das bauten wir dann nach. Die Idee war so, das geheime Prinzip des Wassers verstehen, weißte.
ROLF. Irre. Ich kann mich noch erinnern, daß keiner so richtig -
DIETER. Wir wollten noch so eine Schutt-Anhöhe bauen, weißte, von der die Patti dann immer runterläuft, aber die hatte keine Zeit.
ROLF. Alles unheimlich spannend, Dieter. Wir wollen aber kurz den nächsten Anrufer zu Wort kommen lassen, das ist der… Arne. Gut, daß du anrufst, Kleiner.
ARNE. Wegen der Weltformel nämlich.
ROLF. Du rufst wegen der Weltformel an, Arne.
ARNE. Ich weiß, wie die geht.
ROLF. Sagst du uns auch, wie die geht?
ARNE. Meine Schwester ist blöd.
ROLF. Das ist die Weltformel?
ARNE. Nö.
ROLF. Hör mal, Arne, wir haben ja hier den Dieter, der hat ja auch mal einen Film gemacht mit einer - Dieter, bringst du mir eine Pizza mit? Also wegen der Weltformel, Arne, ich wäre da wirklich interessiert. Magst du die vielleicht verkaufen? Oder tauschen? Vielleicht gegen ein Saurierskelett aus Plastik, Superteil? Du magst doch Saurier?
ARNE. Nö.
ROLF. Fein, Arne. Ist Casmilla da bei dir?
ARNE. Ich kann Schach.
ROLF. Gibst du sie mir mal? Hallo?
CASMILLA. Das mit den beiden Flüssen war auch falsch.
ROLF. Ich bin ganz Ohr, Casmilla, aber wegen der Formel -
CASMILLA. Man kann das Wasser nicht vom Land aus verstehen.
ROLF. Nicht?
CASMILLA. Das Wasser hat eine Herrscherin. Warst du mal in der Unterwelt?
ROLF. Großer Gott, nein, ich war noch nicht in der Unterwelt.
CASMILLA. Alle denken, Hades ist der Herrscher der Unterwelt. Aber in Wirklichkeit ist Perse-phone die Herrscherin. Hades macht eigentlich gar nichts. Persephone ist sehr schön. Aber auch sehr streng.
ROLF. Und die Herrscherin des Wassers, wie heißt die?
CASMILLA. Weiß nicht. Herrscherin. Arne möchte auch ein Lied.
ROLF. Schön, ja, also, spielen wir schnell ein Lied für Arne. Was will er denn hören?
CASMILLA. Lorelei.
ROLF. Ich glaubs nicht.
http://www.youtube.com/watch?v=3diz8I0AVVk


Vierter Akt: Blubb!
Spiegel online, 15.01.2011 / Autor: AndersSehend


ROLF. willkommen zurück. falls ich mich etwas seltsam anhören sollte, so liegt das daran, dass ich mich unter wasser befinde. dieter ist schon wieder weg, stößt aber später sicherlich noch einmal zu uns. whoops, das geht aber schnell heute, der nächste anrufer ist in der leitung.
CASMILLA. ich bin's wieder, casmilla. noch mal von wegen der herrscherin ...
ROLF. ach ja genau, da waren wir beim letzten mal ...
CASMILLA. du sagst es. bin inzwischen 15, geht ja so schnell heute. eben gerade bin ich an einer schneebedeckten parkbank vorbei. höhe ca. zwei finger, obendrauf gefrostet, glitzerte wie die hölle im kalten mondlicht. und was sehe ich da auf der sitzfläche? einen eindruck wie diesen hier: OO.
ARNE. also rolf, glaub' ihr kein wort. ich glaube ich sagte bereits, dass meine schwester spinnt. brow-nies, hmmmm, lecker.
ROLF. arne, ja. du futterst hier kuchen während wir ...
ARNE. schon, jaja. muss los, sprung. bis bald.
ROLF. tja, nun, und weg sind sie. blubb.


Fünfter Akt: Arne kann Dinge verschwinden lassen.
Spiegel online, 15.01.2011 / Autor: ray05


Radio Feuerwerk proudly presents Rolfs Kulturshow, wie immer mit Rolf Krauthausen
ROLF. Guh-ten Abend.
und wie jeden Tag mit tatkräftiger Unterstützung von PizzaBag … Piiiizzzaaa Bäääg …. 5000 mal in Deutschland, also auch gleich bei dir um die Ecke …. Kultur geht nur mit PizzaBag …. Piiiizzzaaa Bääääg ….
ROLF. Und bei mir im Studio sitzt, wie schon die ganze Woche über, Dieter Kurzhorst-Faust, der deutsche Konzeptkultkünstler. Hallo Dieter, schön, dass du heute wieder mit dabei bist.
DIETER. Hallo Rolf. Macht Spaß mit euch allen hier.
ROLF. Unser Thema heute: Phänomene, die die Welt entsetzen. Dieter, du selbst hast ja Erfahrung mit entsetzlichen Phänomenen. Das wurde ja fast totgeschwiegen, was dir in Ägypten passiert ist. Erzähl nochmal. Wie gingst du damit um? Und wie stehst du heute dazu?
DIETER. Ja, das war die Sache, als wir eine von den Gizeh-Pyramiden unter Strom setzten. War angesagt damals, Dinge unter Strom zu setzen. Ich hing ja oft mit Danny rum damals und …
ROLF. Und plötzlich war die Pyramide weg, nicht wahr? Verschwunden, einfach so. Mit dir, denn du warst drin in der Pyramide.
DIETER. Ganz genau, ich hatte drinnen beim Kabelziehen meine Sonnenbrille verloren und ging nochmal rein, um sie zu suchen. Da drückte draußen einer auf den Schalter und die Kagge war am dampfen. Ich drin in der Pyramide und plötzlich war´n wir wohl weg. Also, die Pyramide und ich gleich mit ihr.
ROLF. Irre. Wie ist das denn so, wenn man einfach so weg ist, was geht einem da durch den … Sekündchen, Dieter, hier schon der erste Anrufer zu unserem heutigen Thema: Phänomene, die die Welt entsetzten … eine Anruferin … Hallo, äh, Casmillah!
CASMILLA. Arne hat seine Pizza verschwinden lassen. Ich hab´s genau gesehen. Und jetzt will er uns alle verschwinden lassen. Mein Bruder ist sooo blöd.
ROLF. Gib ihn mir mal. Ist er da?
ARNE. Ich kann Dinge verschwinden lassen.
ROLF. Toll. Wie hast du das denn gemacht, Arne? Du weißt, hier sitzt der Dieter, der ist auch einmal einfach so verschwunden.
ARNE. Dieter hat keine Ahnung.
DIETER. Kommkomm …
ARNE. Ich lass jetzt den Dieter verschwinden. Soll ich?
ROLF. Warte, kannst du denn auch Dinge hervorzaubern?
ARNE. Ich kann "König der Löwen" auf dem Kazoo spielen. Soll ich?
ROLF. Nee, wünscht euch ein Lied, du oder Casmillah.
CASMILLA. Ich wünsch mir das Sphinxmäßige von Caine/Thompson/McBride. Geht das?
ROLF. Alles geht, Kinners. Bommi?
BOMMI. Hamwer sogar, das Teil. Ready to rumble, one, two, you know what to do …
… und wie jeden Tag mit tatkräftiger Unterstützung von PizzaBag … Piiiizzzaaa Bäääg …. 5000 mal in Deutschland, also auch gleich bei dir um die Ecke …. Kultur geht nur mit PizzaBag …. Piiiizzzaaa Bääääg ….
http://www.youtube.com/watch?v=m3JDyqKxq8A&feature=relmfu
ROLF. Bommi, hast du Dieter gesehen?
BOMMI. Wollt ich DICH grad fragen. Ist wohl Pizzanachfassen gegangen.


Sechster Akt: We are the hollow men.
Spiegel online, 16.01.2011 / Autor: Aljoscha der Idiot


ROLF. Hallöchen sagt Rolf, auch heute wieder mit mir im Studio von Radio Feuerwerk ein Gast, den Ihr alle kennt, Dieter Kurzhorst-Faust, das deutsche Universalgenie, kann man sagen, Dieter, oder? Du bist ja eigentlich ein echter Renaissancemensch.
DIETER. Ja, nur daß die keine Kameras hatten damals. Sonst sträube ich mich gar nicht gegen den Vergleich, weißte. Bin ja nicht eitel.
ROLF. Haha, ja, das bringt uns gleich zu deiner nächsten Experience. So nanntet Ihr das damals.
DIETER. Ja. Das hing so in der Luft damals, das Wort.
ROLF. Dieter, wie war das. Nach der irren Pyramidensache. Ihr seid einfach so mit der Kamera durch den Kabbalistenkongreß in Karinablad spaziert?
DIETER. Genau. Das Unsuchbare suchen, weißte.
ROLF. Aber dann gab es Probleme.
DIETER. Mit Marlon, ja. Der kam an, setzte sich in eine Hütte, pitscherte sich immer kaltes Wasser über die Glatze, aß das Drehbuch auf und verschwand.
ROLF. Ihr hattet ein Drehbuch?
DIETER. Bis der Fettsack das in die Finger bekam, ja.
ROLF. Ihr mußtet also improvisieren. Aber hat nicht gerade das den Film letztlich zu dem gemacht, was er ist?
DIETER. Ach, ich will mich gar nicht auf eine Beschreibung festlegen. Der Film entsteht eigentlich erst im Kopf des Zuschauers. Mein eigener Kopf war ja auch noch nicht ganz der alte. Wegen der Pyramidensache.
ROLF. Irre. Was viele ja nicht wußten, warum du immer mit der Maske rumgelaufen bist damals.
DIETER. Das war keine M-
ROLF. Dieter, wir haben da gerade einen Anrufer, hallo Arne, bist du's?
CASMILLA. Ich bin's. Arne sagt, er gibt Marlon Brando nur gegen Lösegeld raus.
ROLF. Aber Casmilla, das kommt ein bißchen spät, weil, Marlon ist -
CASMILLA. Ist er nicht. Er ist hier.
ROLF. Das wäre ja sensationell, Casmilla, aber nach allen Gesetzen des Lebens und des Todes -
CASMILLA. ODER MARLON. We are the hollow men, we are the stuffed men.
CASMILLA. Na?
DIETER. Vorsicht. Das kann auch Arne gewesen sein.
ROLF. Ich bin da jetzt doch etwas skeptisch, Casmilla.
CASMILLA. Na dann nicht. Ihr Ungläubigen.
ROLF. Gib uns Bedenkzeit.
CASMILLA. Arne will ein Fluchtraumschiff.
ROLF. Wir… wir klären das, Casmilla. In der Zwischenzeit, schlage ich vor… spielen wir kurz einen Song aus dem Soundtrack von "Karinablad - eine Experience" von Dieter Kurzhorst-Faust.
http://www.youtube.com/watch?v=9rqJNvR_KTw


Siebter Akt: Archangelsk und der Große Ptäut.
Spiegel online, 17.01.2011 / Autor: ray05


ROLF. Radio Feuerwerk kommt heute live von der Kunstmultiplikale in Archangelsk, und den langen Weg ans Eismeer hat mit uns gemacht: Dieter Kurzhorst-Faust, die deutsche Ausnahme.
DIETER. Priwet!
ROLF. Dieter, deinem Lebenswerk ist hier ein eigener Pavillon gewidmet, Handaufsherz, da kommt schon ein wenig Stolz & Genugtuung auf, oder? Der eigene Pavillon, noch dazu in Archangelsk ...
DIETER. Klar, das sind ja echte Profis hier am Polarkreis, und von denen eingeladen zu werden, das ist schon exzeptionell. Jewgeni Prokopotossow, der Multiplikale-Chef, klopfte ja persönlich bei mir in Bünde an, und er sagte: Dieter, wir brauchen dich, wir wollen dich unbedingt. – Rolf, du kennst mich ja, ich bin nicht der Typ Künstler, der da noch eitel Nein sagt.
ROLF. Flussbett mit vier Sonnen, die Strompyramide, die Filme „Pi“ und „Kabbala“ im zwölfstündigen Rohschnitt, dein frühes Punkdrama „Bünderfleisch“, Dieter, all deine legendären Sachen werden ja hier in Archangelsk wieder gezeigt und aufgeführt – aber, mit „Ptäut´s Revenge“ ist auch eine aktuelle Installation von dir dabei. Erzähl mal, wie kam´s dazu. „Ptäut´s Revenge“ hat ja in der Anmutung etwas von einer Pudelmütze.
DIETER. Nun, seit geraumer Zeit hat Traumdeutung einen Impakt auf meine Arbeit. Es gab da ei-nige Experiences in meinem Leben, die …
ROLF. Ganz kleinen Moment, Dieter, auch unsere Hörer wollen zu Wort kommen, und hier haben wir auch schon den … nee, oder?
ARNE. Pudelmütze – dass ich nicht lache.
DIETER. AAH! - der große Ptäut. Ich erkenne seine Stimme. Er will mich wieder holen! Auf sein Schiff! Er hat ein großes Raumschiff und kann jeden holen!
ROLF. Irre. Äh …
ARNE. Marlon spielt ausgezeichnet Backgammon.
DIETER. zerrt panisch an Studiokabeln: Sprich nicht mit ihm, Rolf, der große Ptäut kann jeden holen und verschwinden lassen. Marlon, mich, dich, alle … Er hat die Formel!
ROLF. Pscht! Arne, ist Casmillah auch da? Wünscht ihr euch ein Lied? Hallo? Kein Netz mehr. Bommi!
BOMMI. Leitung steht wieder. Anrufer in der Warteschleife!
ROLF. So, und da haben wir auch schon … die Casmillah! Gut, dass du anrufst. Hör mal, Kleine, sprich mal ein ernstes Wort mit Ptäut, äh, Arne. Langsam übertreibt er etwas.
CASMILLA. Arne sagt, auch die Außerirdischen haben ein Problem mit Weltraumschrott. Er hat sich bereiterklärt, den Kram verschwinden zu lassen.
ROLF. Sag dem neunmalklugen Naseweis, er soll sofort zur Erde zurückkehren.
DIETER. Das ist der furchtbare Ptäut!! So glaubt mir doch!!
BOMMI. Konferenzschaltung mit Ptäut möglich … jetzt!
ARNE. Schöne Grüße an Frau Brandt vom Kinderkarate.
CASMILLA. Ich sag Papa, es soll ein Sonnenjahr lang nur Spinat geben, wenn du nicht sofort heimkommst an die heiligen Ufer der Mnemosyne!
ARNE. Marlon will nach Alpha Centauri. Ich setzt ihn dort ab, dann komm ich heim. Verspochen. Tschüß.
ROLF. Und die Weltformel kommt in die Flasche zurück, klar?
BOMMI. Hatter nich mehr gehört, der Ptäut.
ROLF. Ptäut heißt Arne, nicht Ptäut! Wann begreift ihr das!? Boah, was für´ne Geschichte.
DIETER. Also Rolf, das mit der Pudelmütze vorhin war nicht nett.


Achter Akt: Die Botschaft heißt Liebe.
Spiegel online, 17.01.2011 / Autor: Aljoscha der Idiot


ROLF. Hallo liebe Hörer, wie versprochen heute ein exklusives Interview mit The Artist Formerly Known As Dieter Kurzhorst-Faust. Dieter, schön, daß du da bist.
TAFKAD-K-F. ---
ROLF. Tschuldige, TAFKAD-K-F, schön, daß du da bist.
TAFKAD-K-F. Schön, daß wir alle da sind. Wo? Nur wenige wissen das. Ganz wenige.
ROLF. Darf ich trotzdem Dieter sagen?
TAFKAD-K-F. Du kannst auch Tronc sagen oder Brückenritter, das ist doch alles unwichtig, es geht um die Substanz, um die Essenz, um das Ki, um das Ka.
ROLF. Dieter, wir alle haben das so verstanden, daß es nach der Multiplikale in Archangelsk einen großen Bruch gab bei dir. In deiner ureigenen Biographie gab es ja immer ganz stark das Radikale. Aber viele fragten sich natürlich, woran lag das jetzt. Deine Kriegserklärung an den Großen Ptäut zum Beispiel, das hat doch viele verstört.
TAFKAD-K-F. Das bringt doch überhaupt nichts, darüber zu sprechen, das sind doch alles nur ne-gative Energien, 1 hoch 9, Dialektik, Dennis Hopper, weißte, da kann ich ja gleich in den Urwald gehen und jedem den Kopf abschlagen, der da mit so einem Boot ankommt, bringt doch nichts. Das ist doch nur Gefasel alles, von so Gehirngewaschenen, das kommt doch aus den Massenpinkelbuden, damit beschäftige ich mich gar nicht mehr, weißte.
ROLF. Dieter, wir wollen das noch besser verstehen. Da ist also dieser Moment in deinem Leben, wo du sagst, im Grunde habe ich alles erreicht, da gibt es jetzt nur eins, die völlige -
TAFKAD-K-F. Die dumme Sau.
ROLF. Wer?
TAFKAD-K-F. Der da, wie heißt der?
ROLF. Bommi. Kennst du doch, Dieter. Unser Soundman.
TAFKAD-K-F. Soundman, Soundman, wenn ich das schön höre.
ROLF. Was uns alle jetzt doch brennend interessiert, Dieter -
TAFKAD-K-F. Was ist, ruft die Schlampe jetzt an oder nicht?
ROLF. Ähm. Bommi?
BOMMI. Na gut.
CASMILLA. Bonjour.
TAFKAD-K-F. Wenn ich hier Französisch reden will, dann fahr ich nach Paris oder was, können wir auch gleich abbrechen den ganzen Nippelkram hier.
ROLF. Dieter -
TAFKAD-K-F. Neeeein, neeeein, die Botschaft heißt Liebe, verstehste, weißte, und da kommt ir-gendso ein Kakerlak und fragt nach meinem neuen Projekt, ich meine, was heißt das denn, neues Projekt, das sind doch alles nur Phrasen.
ROLF. Das stimmt schon irgendwie, Dieter. Laß uns trotzdem kurz hören, was es Neues aus Paris gibt, wo unsere Casmilla mittlerweile als Managerin arbeitet. Casmilla, die Band mit Arne, Marlon und Sun Ra hat 7 Trillionen Platten in zwei Monaten verkauft, und das nur auf Planet Algon. Wie schaffst du das alles von Paris aus?
CASMILLA. Das geht schon. Du sprichst gerade mit einer Bandaufnahme.
TAFKAD-K-F. Hör dir den Quatsch an. Bandaufnahme, wenn ich das schon höre. Erzähl mir doch, du Honigdattel, welche Darstellerin aus der Rocky Horror Picture Show mal bei einer Schwimm-Olympiade war?
CASMILLA. Little Nell Campbell.
TAFKAD-K-F. ---
ROLF. Alles ganz erstaunlich, Casmilla!
TAFKAD-K-F. Scheiße, bin ich auch eine Bandaufnahme oder was?
ROLF. Casmilla, schnell noch einen Song? Unsere Zeit ist leider schon wieder um!
CASMILLA. Arnaud sagt, du sollst Dieter um 15 Delsol zurückspulen.
TAFKAD-K-F. Was soll das alles? Bin ich dann wieder live? Rolf, Rolf hilf mir!
ROLF. Bommi, fahr ab!
http://www.youtube.com/watch?v=4A1c-FpSH7w


Neunter Akt: Ptäut bedeutet Frieden, aber auch Welt.
Spiegel online, 28.01.2011 / Autor: eigentlicher_schwan


ROLF. Hallo, liebe Hörerinnen und Hörer von Radio Feuerwerk, hier ist wieder Euer Rolf, und mit mir ist der Dieter. Dieter, Du heißt ja gar nicht Dieter?
DIETER. Man nennt mich Dieter, Brückenritter, Übelkübel - mir ist das egal. Jeder kippt seinen Dreck ab, dazu sind wir ja da.
ROLF. Oh. Dann bleib' ich bei Dieter. Dieter, Du hast uns den Rohschnitt vom Ptäut mal mitgebracht. Du magst ja starke Frauen. Wie war das, als Ihr in Archangelsk auf der Brücke rumturntet?
DIETER. Na, die Leute waren mindestens irritiert. Manche haben über Nacht wüste Sachen an die Brücke geschmiert. Du weißt, wie das auf dem Dorf ist... Klar ist das lächerlich, was wir so machen.
ROLF. Nun ja. Aber sach doch, was bedeutet Ptäut eigentlich?
DIETER. Ptäut bedeutet alles. Ptäut bedeutet Frieden, aber auch Welt. Man wird ja besonders im Moment des Herunterfallens der M...
ROLF. Ah, Momentchen, ich sehe gerade, wir haben jemanden in der Leitung...
CASMILLA. Arne macht wieder Mist. Rolf?
ROLF. Ja, Casmilla.
CASMILLA. Wenn ich mal groß bin, werde ich Tänzerin. Aber sag's niemandem weiter.
ROLF. Versprochen.
CASMILLA. Ich ruf später nochmal an. Grüß' Dieter.
ROLF. Mach ich. Tschüss, Casmilla! Bommi, Maz ab!


Zehnter Akt: Antigrav.
Spiegel online, 31.01.2011 / Autor: Aljoscha der Idiot


DIETER. … das Antigrave, weißte. Kleist spricht vom Antigraven in seinem Aufsatz über das Ma-rionettentheater. Also der Trägheit der Materie enthoben sein, nicht wahr. Weil, die Kraft, die in die Lüfte erhebt, ist größer als jene, die an die Erde fesselt. Sagt der Kleist so. Hochspringen und oben ein bißchen warten eben. Den Boden nur streifen, wie die Elfen und die Sylphiden. Ballett wollte immer den Eindruck des Ätherischen und des Immateriellen. Der Schein des Schwebens, als wäre die Schwerkraft überwunden. So sollte das sein. Antigrav. Und mit dem Quadruntischen Ballett wollten wir zurück zur Erde, zum Dionysischen, der Oskar und ich. Ich mein', alle tanzen. Die Mu-sen und die Grazien und der Dionysos und der Shiva und der - Dingsda. Bloß Jesus nicht. Dafür Salome. Und, war die antigrav? Wir sagten uns, mit dem Quadruntischen Ballett, weißte, da zeigen wir dem puritanischen Geist, was er sowieso denkt, daß Tanz synonym ist mit Bordell. Der Oskar kam dann mit so einem alten christlichen Traktat. Da hieß es, Tanzende sind Götzendiener, Epikuräer, Wüstlinge, schnöde oder ehrlose Komödianten, Zuhälter, Frauenknechte und andere lockere, eitle, leichtfertige Menschen. Da sagten wir uns, ja, klasse Besetzungsliste. Der erste Entwurf von Oskar, der war mir dann zu nett, weißte. Nett ist die kleine Schwester von Scheiße. Das war auch alles zu statisch, ich sagte zu Oskar, da kann ich ja auch Autos beim Parken zuschauen. Kennst mich ja, Rolf. Rolf?
ROLF. *snorkel*
DIETER. Ey!
ROLF. Was?
BOMMI. Casmilla-Übertragung.
ROLF. Was?
BOMMI. Sie sagt, ihre Haare sind jetzt Moira-rot.
ROLF. Was?
http://www.youtube.com/watch?v=rKnzb5PCrV0


Elfter Akt: Bommi.
Spiegel online, 31.01.2011 / Autor: ray05


MAISCHLBERGER: Heute bei mir zu Gast: Bommi, legendärer Soundmann des nicht minder legendären Radio Feuerwerk. Bommi, gleich zu Beginn die Frage: Wie erlebten Sie die letzten 25 Jahre dort im Studio, oft auch auf Achse, so als Mädchen für alles, als Netzflicker und Klangtüftler. Können Sie da sowas wie ein Fazit ziehen, ich mein, Sie kamen dort ja auch mit den großen Stars der Kunstszene in Berührung, Kurzhorst-Faust zum Beispiel.
BOMMI: Wie´s mir dort gefiel?
MAISCHLBERGER: Ja.
BOMMI: Joh, ganz gut eigentlich. Das Gehalt kam immer pünktlich.


Zwölfter Akt: Five Years.
Spiegel online, 09.02.2011 / Autor: eigentlicher_schwan


- Rolf?
- Er hat sich nochmal hingelegt, Casmilla.
- Morgen wird Arne zehn, Bommi. Ihr seid alle eingeladen!
- Aufs Raumschiff?
- Genau.
- Super. Rolf und ich haben gerade gestern unser Bündel gepackt...
- Wieso?
- Na, damit wir's direkt wegschmeissen können, wenn's soweit ist!
- Also kommt ihr?
- Und wie! Darfst Dir jetzt was wünschen.
- Hmmm. Ich glaube - Five Years, von Bowie.
- Dann bist Du zwanzig. Kommt.
http://www.youtube.com/watch?v=e5rjNY8dMzc


Dreizehnter Akt: Miss Zara Zores
Spiegel online, 24.02.2011 / Autor: ray05


ROLF: Hallo allerseits zum Bebop-Frühstück auf Radio Feuerwerk. Tja, und hier im Studio begrüße ich heute Miss Zara Zores. Zara, du bist ja wirklich ein Survivor, oder?
ZARA: Klar, ich leb noch, Chuzpenik.
ROLF: Ich meinte, du hast all die Heroes persönlich gekannt. Lester, Dizzy, Bird, Miles, Bud, Monk …
ZARA: Mhm. Worauf willst´n raus, Bubele.
ROLF: Öh, Harlem. Wie war das für dich dort als deutsche Jüdin …
ZARA: Nix mit Yiddishkait. Hatt nur Oigen auf de Knacker. Und die auf mich.
ROLF: Inwiefern? Musikalisch?
ZARA: Klotz Kasheh! Seh scho, in Tatehs Shtetl hat sich nix geändert.
ROLF: Ähm, Zara, Stan Kentons Orchester war ja damals sehr populär und …
ZARA: Stan war´n Farbissener. Schlimmer noch als du, Bubele.
ROLF: … Jackie McLean hing Bird ja buchstäblich an den Lippen …
ZARA: Jackie unn de Piepmatz klezmerten damals zeitweis für Kenton. Kenton brauchte gute Kna-cker, wir brauchten Zaster für Shtuss aller Art, farshtaist? Aber für Kenton Piepmatz und Jackie warn am End nur farshnickerte Shlubs. Und ich war die Kurveh. So is des gelaufm.
ROLF: Erste Anruferin heute, ja, hallo Casmil …
CASMILLA: Jackie McLean spielte nie für das Kenton-Orchester. Nie. Frau Zores täuscht sich da.
ZARA: Ich täusch mich? Drai mir nid kain Kopp, du … Du kannst nid auf maim Ruggn pissn und mir sagn dass´s regnt, farshtaist?
ROLF: Bommi, fahr ab.
http://www.youtube.com/watch?v=LPgusnpFIWQ&feature=related


Vierzehnter Akt: Marvin Pontiac
Spiegel online, 07.03.2011 / Autor: ray05


http://www.youtube.com/watch?v=HbbP_3l2tl8
ROLF: Marvin Pontiac ist heute unser Thema. Dazu im Studio wieder Dieter Kurzhorst-Faust, Dieter …
DIETER: Hallo.
ROLF: …Marvin Pontiac ist in aller Munde, mal ehrlich jetzt, gab´s den wirklich oder hast Du den erfunden, wie immer wieder behauptet wird?
DIETER: Den Marvin gab´s schon wirklich, warum sollte ich den erfinden? Marvin bewohnte so´ne Höhle in den Appalachen als wir uns kennenlernten, ich war dann oft da, wir feierten, und dann spielte er mir alle seine Songs vor. Irgendwann fing ich an, in den Archiven der kleinen Plattenlabels zu recherchieren, fand Aufnahmen von Marvin, die nie veröffentlicht wurden, und so entstand dann die Greatest-Hits-Platte.
ROLF: Hm, OK, aber dass Marvin Pontiac von Aliens entführt worden sein soll, äh, das ist ja wohl frei erfunden, oder?
DIETER: Nein gar nicht. Ich war ja dabei, als Marvin entführt wurde. Nur das mit dem nackich radeln, das ist erfunden. Das taten wir nicht. Der Rest stimmt.
BOMMI: Erster Anrufer in der Leitung.
CASMILLA: Wie soll´n die denn ausgesehen haben, die Aliens, die diesen Marvin Pontiac entführt haben sollen?
DIETER: So ähnlich wie kleine Kaffeebohnen. Klingt jetzt strange, aber die Aliens, die Marvin entführten, sahen alle aus wie kleine braune Kaffeeböhnchen. Die kamen zu Hunderttausenden aus ihrem Raumschiff gehopst, klemmten sich an Marvin fest, und trugen ihn rein in ihr Raumschiff, so ähnlich wie bei Gulliver´s Reisen. Dann Luken dicht und weg warnse. Mit Marvin.
CASMILLA: Glaub ich nicht. Den Kram hast du frei erfunden, Dieter. Alles hast du erfunden: Diesen Marvin, die Aliens, dich selber auch.
DIETER: Glaub, was du willst, Schatz. Als Künstler bin ich´s gewohnt, das man mir nix glaubt, juckt mich nich mehr.
ROLF: Danke Casmilla. Dieter, welchen Song von Marvin Pontiac kannst du unseren Hörern denn besonders ans Herz legen?
DIETER: Alle eigentlich. Marvin war´n musikalisches und menschliches Genie. Aber mein Favorit von ihm war immer „Small Car“.
BOMMI: Kömmt.
http://www.youtube.com/watch?v=iQqLQ_aLw9E&feature=related

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